Gedanken über "Gevatter Tod"

oder

"Ich sehe für mich kein verbrieftes Recht auf ein langes Leben"

Ich spreche im Folgenden von der heute nicht notleidenden Gesellschaft. 

Der frühe Tod war vormals präsenter, da die Lebenserwartung aufgrund der Umstände nicht hoch war. Es gab Kriege; man wußte nichts über Hygiene und Mangelernährung. Die Wohnverhältnisse des armen Anteils der Bevölkerung waren zum Teil katastrophal, ihre Körper von Hunger und harter Arbeit ausgezehrt. So konnten Seuchen wahrhaft Schlimmes anrichten.

Das änderte sich mit besseren Wohn-, Lebens- und Arbeitsverhältnissen, mit Kanalisation und frischem Trinkwasser. 

Und es änderte sich auch mit der medizinischen Einmischung. 

Die Lebenserwartung stieg und somit verschwand der vorzeitige Tod aus unserer Mitte. Ob man früher einen besseren, leichteren Umgang mit ihm pflegte, weiß ich nicht. Gern gestorben ist man wahrscheinlich nie. Jedoch nehme ich an, dass man ihn, den Tod, als nichts Außergewöhnliches sah. Dass die Menschen dadurch gefühlskälter, emotionsloser waren, bezweifle ich aber stark. 

Das lange Leben ist heute beinahe eine Selbstverständlichkeit geworden und daraus wird ein Recht darauf abgeleitet. Und das erscheint mir als nicht richtig.

Ich bin der Meinung, dass es sehr gesund wäre, das Ende des Lebens nicht in einen fernen Winkel zu verbannen. Ich bin der Meinung, dass es sehr gesund wäre, den „Gevatter Tod“ wieder in die Mitte des Lebens zu nehmen und vielleicht sogar zu umarmen als den, der dazugehört. Ich denke, dass uns die Bewußtheit des endlichen Lebens gut täte. Unser Umgang mit uns und miteinander wäre ein viel sorgsamerer. Die Kostbarkeit des Augenblicks greifbar.

Ein guter Weg zur angstbefreiten Versöhnung mit dem Ende erscheint mir das sinnerfüllte Leben. Das satte, glücklich machende Leben. Das Leben, das aus unserer inneren, wahrhaften Natur entspringt. Nicht das Leben, das uns von außen übergestülpt wurde oder das wir uns überstülpen ließen. 

Es bleibt die Frage, wie wir dahin kommen.


Geliebte Heimat im Abendlicht


Und jedem Morgen wohnt ein Zauber inne ...

 

Hermann Hesses "Stufen" sind mir lieb und teuer. Eine Weisheitsessenz. 

Ich beginne meinen Tag mit einer Auszeit. Eine Stunde sitze ich und schaue mal hier hin, mal da hin. Meine Gedanken lasse ich kommen und gehen wie sie wollen. Und hängt mir zu Beginn manchmal noch das Dunkel der Nacht nach oder eine Sorge, so kommt dann doch irgendwann der Augenblick, an dem ein frischer Wind die Glut meiner Lebensfreude anfacht und ich durch die aufsteigende Wärme in den Tag geweht werde. Für mich ist das dann genau dieser Zauber, den Hermann Hesse beschreibt.

Stufen

Hermann Hesse

 

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

 

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

An keinem wie an einer Heimat hängen,

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

 

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

Uns neuen Räumen jung entgegen senden,

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!


 

 

 

 

 

 

 

Auf 

dem

Weg

den

Schlüssel

zum 

Himmel

finden.


Tankstelle Natur im Frühling

 

Über das Ohr:

Ein gurgelnder Bach, der Vogelgesang, das Rauschen des Windes, wenn er in die Bäume fährt ...

Über die Nase:

Der Geruch des Waldbodens wenn er sich erwärmt, der Bäume, wenn sich ihre Harze erhitzen ...

Über das Auge:

Die Farben und Formen, die niemals disharmonisch sind ...

 

Und die vom Körper aufgenommene Sonne kann man noch lange nachspüren.

 


Ich stieß durch einen Freund auf einen vollends treffenden Text des Schriftstellers Robert Walser, einem Schweizer, der von 1878 bis 1956 lebte.  Er beschrieb das Spazierengehen. Bei Selbigem am gestrigen Nachmittag unter blauem Himmel, der so tief blau nur in der Verbindung mit Wald sein kann - zumindest erscheint es mir so, fand ich schon sehr weit oben diese Scherbe von einem alten Kinderheferl. Im gleichen Augenblick kamen mir Walsers Zeilen in Erinnerung. Beim Spazierengehen fallen einem Geschichten zu oder wie in diesem Fall vor die Füße.

 

Mir bedeutet der fast tägliche Gang, Durcheinandgeschütteltes zu ordnen. Oft bin ich bei Antritt des Weges wie ein heilloses Sammelsurium von Gedanken. Diese innere wogende, manchmal tobende See, wird beim Gehen irgendwann stiller. Manchmal nimmt es gut die Hälfte der Zeit in Anspruch, aber ich kann mich darauf verlassen, dass die Ruhe irgendwann einkehrt. Deswegen ist es auch so wichtig, mich zu überwinden, zu überreden, wenn ich einmal nicht mag. Immer gelingt es nicht. Da kommen schon auch die faulsten Ausreden daher.


Eisbäumchen auf Saharasand

Mich fasziniert es schon sehr, dass der Wind die feinen Körner aus der fernen Wüste,

die ich selbst nie sehen werde, hierher zu tragen vermag.


Als unsere Jüngste zur Volksschule ging, hatte sie eine Frau Lehrerin, die eine Musterzeile hinter (fast) jeder Übung wollte. Dies ging dem Kind wahrlich auf die Nerven und sein tapferer Vater hat bei der Lehrerin aus diesem Grund vorgesprochen. Sie war uneinsichtig und verlangte weiterhin die obligate Zeile. Das gute Kind jedoch vollzog ab diesem Zeitpunkt einen Wandel. Aus der einzeiligen Verzierung wurde eine Verzierung der ganzen Übung. Sie wurde mit zarten Farben hinterlegt und mit Ornamenten geschmückt. Es waren die reinsten Kunstwerke und verlangten viel mehr Zeit als die geforderte Zeile. Die Frau Lehrerin war überglücklich und auch das Kind hatte nun Gefallen an der durchaus sinnvollen feinmotorischen Übung gefunden.

Vor nicht allzu langer Zeit, erinnerte ich mich an diese Geschichte und seither male ich (fast) jeden Tag am Morgen eine Musterzeile in mein Musterzeilenheft. Um meine Feinmotorik zu trainieren, aber auch, um mich zu entspannen. Zugleich ist es aber auch eine Tätigkeit die verlangt, im Augenblick zu sein. Dass mir dies an manchen Tagen nicht gelingt, kann man sehen ...


Einiges hab' ich gelernt über "Unser erstaunliches Immunsystem" bei Frau Dr. Marianne Koch. So z.B., warum Industrienahrung ein großes Problem für unser Immunsystem darstellt. Sämtliche Zusätze* die notwendig sind, um Fertigprodukte** schmackhaft zu machen, sieht unser Immunsystem als Feind, da sie körperfremd sind. Diese Stoffe dürfen nicht verbleiben, da sie in kürzester Zeit, wie Gift wirken würden. So ist unser, uns schützendes, System andauernd beschäftigt, die Müllabfuhr und auch Müllverbrennung zu spielen. Kommt jetzt ein Krankheitserreger von außen, ist das Immunsystem überfordert und kann sich nicht entsprechend wehren.

* Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel, künstliche Farben, künstliche Aromen, Verdicker. Dazu viel (meist minderwertiges) Fett, viel Salz, viel Zucker (oft sogar beides).

** Pizza und Co., Junkfood, Wurst, sämtliche Fertiggerichte, Süßigkeiten, Knabbergebäck ...


 

 

 

 

 

 

Weit breitet die vor dem Verwelken Stehende ihre Blätter aus. Als wolle sie das ganze Universum umarmen. Sie zeigt ihr Innerstes, wird verletzlich und strahlt dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, vor Kraft und Schönheit.

 


DUSCHEN UND BADEN SIE NICHT ZU OFT!

Und das sage ich als Seifensieder ...

Die Haut gehört zu unserem Immunsystem. Sie ist wie eine Barriere zu sehen. Der Säureschutzmantel, der sich auf ihr bildet, wirkt wie ein Desinfektionsmittel. Wenn Sie nicht allzu oft baden oder duschen, trocknen sie zum einen ihre Haut nicht so aus und zum anderen, waschen sie sich nicht dauernd den Schutzfilm vom Leib. Dem täglichen Waschen der heiklen Stellen, die unter Umständen unangenehm riechen, steht nichts im Wege. Da reicht dann aber der Waschlappen und gerade ein wenig Seife.


Und immer wieder:

Sich eine Vision von einem guten, gelingenden Leben machen.

Für sich, die Seinen und die gesamte Erde.


Guten Morgen, neues Jahr!