Keine Jahreszeit fordert zur bewussten Wahrnehmung mehr auf, als der Frühling.

Denn hier geht alles rasch vor sich und nur allzu leicht kann es passieren, dass einem Schönes, Wundersames durch Unachtsamkeit entgeht.


Die seltsame Wanderung der Haarfollikel

 

Bald schon wandere ich in das nächste (6.) Jahrzehnt. Wer noch wandert, das sind gewisse Haarfollikel. Wie sonst könnte es passieren, dass die Haare an manchen Stellen – wo sie eigentlich ganz hübsch wären – schütterer werden und an anderer Stelle dann plötzlich zu sprießen beginnen. Mit der Gesichtsbehaarung kämpfe ich ja schon seit meiner Mädchenzeit, aber was sich in diesem Garten seit Neuestem auftut, ist nicht mehr witzig!!! Erstens kommen diese Haare nicht in einem dezenten Grau oder gar unsichtbaren Weiß wie auf meinem Kopf, nein sie sind SCHWARZ, schwarz wie die Nacht und es sind keine Härchen, sondern Borsten. Zwischen den Augenbrauen, auf der Oberlippe und – ZWEITENS – NUN AUCH AUF KINN UND GODERL.

Früher einmal habe ich ja täglich gerodet. Das tue ich schon längst nicht mehr. Ich habe selten Auswärtstermine, beim Einkaufen ist es mir wurscht, und mein Liebster, der selber ausschaut wie ein Wolf, stört sich nicht daran. Aber, wenn ich mich dann wieder einmal vor den Vergrößerungsspiegel setze (weil ich schon spüre ... mit den Fingern erfühle, dass es wieder einmal an der Zeit ist!) haut es mich aus den Socken!!! Jetzt, vor dem Ausrupfen des Unkrautes stehend, freue ich mich über dessen Schwärze, denn so sehe ich es besser ... die Augen sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren.

Irgendwann werde ich es sein lassen. Und dann werden sich Wolf und Wölfin gegenübersitzen und gemeinsam in den Nachthimmel heulen!


Faschingdienstag,

die Narren sausen

durch die Straßen

wie ein Sturm.

Sie lachen, springen

den Kopf voll Flausen,

der eine als Gockel

der andre als Wurm.

Kein Zwist entzweit 

in diesen Tagen,

die beiden,

die sonst Feinde sind.

Gar nette Worte 

sie sich sagen,

und spielen fast

wie Kind mit Kind.

 

Doch was bringt

dann der nächste Tag?

Warte nur ein Weilchen,

bald kommt die Antwort

auf die Frag ...

DISTELN oder VEILCHEN !?


Das Handwerk - mein Meister

 

Ist kein Meister offensichtlich zugegen, muss man sich einen suchen. Im Grunde wäre ja jeder und alles rundum Meister. Sei es die böse Nachbarin oder die herzensgute, der Ehepartner, der Chef, den man nicht leiden kann, die Kinder ... Aber in so etwas Naheliegendem sieht man nicht oft und gern seinen Lehrherrn.

Ein Meister, den ich als solchen anerkenne, ist mein Handwerk. Es ist ein Gestrenger. Fordert von mir unabdingbar Sorgfalt und Geduld, die Hinnahme von Fehlern und das Ausbessern derselben, das Akzeptieren von Misslungenem, ein ständiges Hinterfragen. Es spornt mich an, nicht aufzugeben, mich zu entscheiden und weiterzugehen, und letztendlich mit jedem Schritt, sei es einer nach vorne oder auch zurück, ein Stück besser zu werden.

Und trotz der Strenge sehe ich in seinen Augen ein Lächeln, das mir Mut macht, mir niemals zürnt. Aber diesen, meinen Meister liebe ich ja auch.


Die Blätter des letzten Jahres düngen den Boden für das neue.

Noch ist er kahl der Baum, der Strauch.

Doch weisen die Knöspchen schon den Weg.