Es gibt Tage, da bin ich ein wenig zerdeppert. Habe ich schlecht geschlafen, übel geträumt, bin ich mit dem falschen Fuß aufgestanden, gibt es ein Wetter, das nicht in das Morgengefühl passt, habe ich am Sonntag schon das Montagmorgenfeeling? Was weiß ich ... ich bin einfach zwider, grantig, habe eine geringe Beißhemmung! Der Mann an meiner Seite tut mir leid, denn ich möchte mir selbst nicht begegnen!

Wort und Bild ... brrrrr!

In eben diesem Gemütszustand - das habe ich durch jahrzehntelange Erfahrung schon festgestellt - ist es hilfreich, sich selbst möglichst genau zu beschreiben!!!


Je älter ich werde, umso empfindlicher bin ich aufgeblähten Texten gegenüber. Wenn ich auf Seite 50 noch immer dasselbe lese, wie auf Seite 2 werde ich richtiggehend aggressiv und es kann schon passieren, dass ich ein Buch deswegen nicht mehr in die Hand nehme. Mir kommt es nicht auf die Anzahl der Zeilen an. Ich mag Konzentrate - wie beim Spülmittel ... ein paar gute Tropfen genügen. Kurz und bündig. Aus.


Gerade jetzt wünsche ich mir,

dass der Wohlgeruch der blühenden Linden, Zauberkraft hat.

Dass sein Einatmen einem Aufatmen gleich ist,

dass er Geliebtsein in die Herzen aller Menschen pflanzt.

Unaufgefordert und bestimmt.

Das wünsche ich mir.


Wichtig im Leben ist das uneingeschränkte JA zu sich selbst.

Das heißt nicht, dass man alles, was man tut oder nicht tut, ohne Hinterfragung sein lässt.

Ohne sich und sein Handeln in Frage zu stellen, gibt es kein Vorwärtskommen, kein Lernen.

Es heißt, JA zu mir zu sagen in diesem Augenblick - egal, wo und wie ich stehe,

egal, was ich getan oder nicht getan habe.

Stellt mein Kind etwas an und ich muss mit ihm schimpfen, tut das doch meiner Liebe zu ihm keinen Abbruch.

Genau so sollte man mit sich selbst sein.

Nicht unkritisch, aber mit eben diesem liebevollen, unerschütterlichen JA. 


 

 

 

 

 

 

Keine Jahreszeit fordert zur bewussten Wahrnehmung mehr auf, als der Frühling.

Denn hier geht alles rasch vor sich und nur allzu leicht kann es passieren, dass einem Schönes, Wundersames durch Unachtsamkeit entgeht.


Die seltsame Wanderung der Haarfollikel

 

Bald schon wandere ich in das nächste (6.) Jahrzehnt. Wer noch wandert, das sind gewisse Haarfollikel. Wie sonst könnte es passieren, dass die Haare an manchen Stellen – wo sie eigentlich ganz hübsch wären – schütterer werden und an anderer Stelle dann plötzlich zu sprießen beginnen. Mit der Gesichtsbehaarung kämpfe ich ja schon seit meiner Mädchenzeit, aber was sich in diesem Garten seit Neuestem auftut, ist nicht mehr witzig!!! Erstens kommen diese Haare nicht in einem dezenten Grau oder gar unsichtbaren Weiß wie auf meinem Kopf, nein sie sind SCHWARZ, schwarz wie die Nacht und es sind keine Härchen, sondern Borsten. Zwischen den Augenbrauen, auf der Oberlippe und – ZWEITENS – NUN AUCH AUF KINN UND GODERL.

Früher einmal habe ich ja täglich gerodet. Das tue ich schon längst nicht mehr. Ich habe selten Auswärtstermine, beim Einkaufen ist es mir wurscht, und mein Liebster, der selber ausschaut wie ein Wolf, stört sich nicht daran. Aber, wenn ich mich dann wieder einmal vor den Vergrößerungsspiegel setze (weil ich schon spüre ... mit den Fingern erfühle, dass es wieder einmal an der Zeit ist!) haut es mich aus den Socken!!! Jetzt, vor dem Ausrupfen des Unkrautes stehend, freue ich mich über dessen Schwärze, denn so sehe ich es besser ... die Augen sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren.

Irgendwann werde ich es sein lassen. Und dann werden sich Wolf und Wölfin gegenübersitzen und gemeinsam in den Nachthimmel heulen!


Faschingdienstag,

die Narren sausen

durch die Straßen

wie ein Sturm.

Sie lachen, springen

den Kopf voll Flausen,

der eine als Gockel

der andre als Wurm.

Kein Zwist entzweit 

in diesen Tagen,

die beiden,

die sonst Feinde sind.

Gar nette Worte 

sie sich sagen,

und spielen fast

wie Kind mit Kind.

 

Doch was bringt

dann der nächste Tag?

Warte nur ein Weilchen,

bald kommt die Antwort

auf die Frag ...

DISTELN oder VEILCHEN !?


Das Handwerk - mein Meister

 

Ist kein Meister offensichtlich zugegen, muss man sich einen suchen. Im Grunde wäre ja jeder und alles rundum Meister. Sei es die böse Nachbarin oder die herzensgute, der Ehepartner, der Chef, den man nicht leiden kann, die Kinder ... Aber in so etwas Naheliegendem sieht man nicht oft und gern seinen Lehrherrn.

Ein Meister, den ich als solchen anerkenne, ist mein Handwerk. Es ist ein Gestrenger. Fordert von mir unabdingbar Sorgfalt und Geduld, die Hinnahme von Fehlern und das Ausbessern derselben, das Akzeptieren von Misslungenem, ein ständiges Hinterfragen. Es spornt mich an, nicht aufzugeben, mich zu entscheiden und weiterzugehen, und letztendlich mit jedem Schritt, sei es einer nach vorne oder auch zurück, ein Stück besser zu werden.

Und trotz der Strenge sehe ich in seinen Augen ein Lächeln, das mir Mut macht, mir niemals zürnt. Aber diesen, meinen Meister liebe ich ja auch.


Die Blätter des letzten Jahres düngen den Boden für das neue.

Noch ist er kahl der Baum, der Strauch.

Doch weisen die Knöspchen schon den Weg.