Zugfahrt für mich: Einkehr mit Aussicht


Letztens in der U-Bahn ... 

Schon beim Warten auf den Zug fiel sie mir auf. Die Frau in schwarzer, moderner Kleidung, mit den schwarzen, mittellangen Haaren. Sie stand knapp an der Bahnsteigkante und war in ein Buch vertieft. Ich konnte weder Autor noch Titel lesen, jedoch hatte es einen hübschen Einband. 

Die U-Bahn kam, wir stiegen ein und kamen nebeneinander zu sitzen. Sie, unverändert in ihr Buch vertieft, ich, wie es meine Gewohnheit ist, rundum blickend, die Menschengesichter betrachtend. Viel sehe ich ja nicht davon, denn mindestens 6 sind in näherer Umgebung in ihr Handy vertieft. Plötzlich lacht die Frau neben mir so herzlich und laut auf, dass ich beinahe erschrecke und ob ihres Ausbruches auch schmunzeln muss. Das Buch mit dem hübschen Einband hat meiner Nachbarin Freude bereitet und sie zum Lachen gebracht. Damit hat sie es nicht umsonst gekauft. Mir ist dies jedoch schon hin und wieder passiert, denn - nun ist es Zeit für ein Geständnis - ich liebe schöne Buchcover. Lasse mich leicht verführen, wenn mich ein Buch optisch anspricht. Denke mir, so schlecht kann es für mich gar nicht sein, wenn es so hübsch aussieht. Doch, kann es! 

Das Buch auf dem Foto oben hat einen schönen Einband UND ist eines meiner Lieblingsbücher!


Ist „smart“ klug oder macht es vielleicht sogar eher blöd?

Ich war und bin ein Technik-Freak. Ich liebe meine Maschinen, einschließlich dem Gerät, vor dem ich nun sitze und diesen Text tippe. Mein Lieblingsspielzeug als Kind war Lego. Mein Vater hat mir einen Antriebsmotor gebaut. Damit konnte ich mittels Gummiringerl zum Beispiel meine gebauten Windräder motorbetrieben zum Rotieren bringen. Dass sie damit keine Windräder mehr waren, war mir damals einerlei - sie haben sich rasend schnell gedreht! Auch habe ich mit Begeisterung „Raumschiff Enterprise“ geschaut. Das Futuristische in Bezug auf die Technik hat mich fasziniert. Ich sage nur: „Beame mich hoch, Scotty!“ Auch habe ich mit Vorliebe Schulaufsätze zum Thema „Wie stellst Du Dir die Zukunft vor?“ geschrieben.. Das ist 50 Jahre her. Inzwischen ist die Technik mit Riesenschritten nach vorwärts gegangen und ein Stückerl „Raumschiff Enterprise“ ist schon wahr geworden. Doch nun wird mir angst und bang, denn ich könnte mir inzwischen gut vorstellen, dass unsere Gehirne durch die abgenommene Arbeit zusehends vertrocknen, wir manches verlernen und dadurch in Abhängigkeiten geraten. Wir letztendlich dann doch alle glauben, dass der Strom aus der Steckdose kommt und immer verfügbar ist. Die Grenze muss wohl jeder für sich ziehen. Für mich steht auf jeden Fall fest, ich will keinen Kühlschrank der mir sagt, was darin fehlt. Und Hochbeamen brauch’ ich auch nicht mehr. Mir reicht der Lift in unserem Haus - ja, ich bin auch verführbar! 


Donnerstag, 14. Februar

Lange wunderte ich mich, wenn der Valendienstag auf einen anderen Wochentag fiel.


Heute kostet Kleidung nicht mehr viel. Mit anderen Gegenständen ist es ebenso. Gewand und Geräte sind so günstig zu erhalten, dass eine Reparatur - vorausgesetzt man kann sie nicht selbst ausführen - oftmals teurer käme, als das gute Stück beim Einkauf gekostet hat. Also wirft man weg und kauft Neues.

Durch das leistbare Vorhandensein, sogar im Übermaß, empfindet kaum jemand mehr die Besonderheit des einzelnen Stückes. Es entsteht das Gefühl des Immerverfügbarseins. Man achtet auf sein Hab & Gut nicht mehr, da es eh ersetzbar ist.

Ich schließe mich da gar nicht aus. 

Doch je älter ich werde, umso bewusster wird mir die Kostbarkeit jedes einzelnen Gegenstandes - und sei er auch noch so billig gewesen. Und ich bestaune die Waschmaschine, die Nähmaschine, das Telefon, das elektrische Bügeleisen (inzwischen sogar mit Dampf), den Fernseher, den E-Herd, den Kühlschrank, den warmen Heizkörper, für den man nichts tun muss, als ihn aufzudrehen - alles Dinge, die vor nicht allzu langer Zeit keine Selbstverständlichkeit waren und ich bin aufrichtig dankbar. Ich muss nicht mehr alles haben und was ich habe will ich hüten.