Ich bin hin- und hergerissen ...

DAS SCHMETTERLINGSHAUS

Auf der einen Seite macht mir das beschränkte Leben der versachlichten Tiere ein schlechtes Gewissen und sie tun mir unendlich leid. Auf der anderen bin ich begeistert von ihrer Schönheit. Seit Kindertagen liebe ich die fliegenden Gemälde und dort sind sie mit den Menschen so vertraut, dass sie sich manchmal sogar auf Kleidung oder wie hier auf den Finger meiner Enkelin, die ich dieses Mal zur Ausrede hatte, setzen.


Gedanken und Taten im hinteren Stübchen

Seit jeher bin ich ein Liebhaber der einfachen Dinge. So  bin ich auch zum Seifensieden gekommen. Aus wenigen Zutaten das herzustellen, womit ich mich waschen mag. Jetzt hat sich ein neuer Gedanke festgesetzt. Noch weniger Zutaten. Eigentlich wäre es mein Wunsch, eine Seife, die allein mit österreichischen Naturalien auskommt, herzustellen. Da ich aber nicht bereit bin, Tierfette zu verwenden (würde ich auf einem Bauernhof mit Viehwirtschaft leben, wäre das etwas anderes!) und Seife allein aus Rapsöl, keine gute Seife wird, muss ich als festes Fett Kokosöl verwenden. Das muss ich in Kauf nehmen. Was ich noch hinnehmen muss ist, dass die neue Seifenlinie an der ich arbeite, nicht riecht. Sie riecht nach Seife. Das ja (und für mich sehr, sehr gut) aber auch nicht mehr. Auf jeden Fall ist sie eine ehrliche, keine illusorische Seife. Woraus besteht sie - die Neue? Aus verseiftem Raps- und Kokosöl, Tee und Kraut, sowie dem Glycerin, welches bei dieser Art der Seifenherstellung so und so vorhanden ist. Was ist nicht mehr drin? Keine bunten Tonerden zum Färben sowie auch keine ätherischen Öle. Da weniger Kosten für mich anfallen, kann ich sie auch günstiger abgeben. Viele verschiedene Seifen habe ich im Kopf. Blüten- und Kräuterseifen aus dem,  was unser schönes Land halt so hervorbringt. Bis ich sie auch anbieten kann, wird es noch ein langer Weg sein. Hier stelle ich einen Versuch vor: Meine Rosenseife … mit Rosenblütentee und gemahlenen Rosenblütenblättern. Reduce to the max - ich bin, was ich bin, sagt die Seife. 


Kanalszene ... Mein Weg zum kleinen Enkelbuben führt ein Stück weit dem Donaukanal entlang. An einer bestimmten Stelle gibt es zwei "Männerbankerl". Dort sitzen, schlafen, quatschen, sinnieren etwas ältere Männer - Österreicher und Slawen - vereint im Schatten der Bäume, ein Flascherl Wein, eine Dose Bier oder auch Härteres ist meist mit dabei. Manchmal läuft ein batteriebetriebenes Radio. Ich mag die Runde - ich lasse sie und sie lassen mich, werden auch bei höherem Alkspiegel nicht ungut. Sie gehören einfach dazu. Gestern beim Hinweg waren rund um die Bankerl auch Tauben und ein Entenpaar, auf Krümel hoffend. Als ich nach einigen Stunden nach Hause ging, "saß" nur mehr der Erpel bei ihnen - ganz nah und vertraut ... Männer unter sich!


Heiß geliebter Putzfetzen

Alle alten Leintücher und Bettwäschen aus Baumwolle, die schon mürbe sind und sich deswegen ein Stopfen von Schäden nicht mehr lohnt, reisse ich zu Putzfetzen. Sie eignen sich hervorragend für das Reinigen von kleinen Fenstern und Spiegeln und für das Nachwischen bei Reinigungsarbeiten.

Als ich letztens diesen Apricotfarbenen in Verwendung hatte, fiel mir wieder die Bettwäsche ein, aus der er stammte. Sie war wunderschön mit einer das mittlere freie Feld umgebenden Spitze. Damals war ich eine junge Frau, die sich sehr über dieses Geschenk freute und sie so lange verwendete, bis es dann schließlich wirklich nicht mehr ging. Heute bin ich mittelalt, kann aber noch immer die Freude beim Bettbeziehen mit dieser Wäsche nachfühlen.

Ich danke Dir, Du alter Fetzen, der es wieder geschafft hat, mich aufzupolieren! 


Heute vor dem Geschäft. ICH gehe hinein ... SIE kommt heraus. SIE ist meine einzige Geschäftsbekanntschaft, die ich seit 6 Jahren hier in Wien gemacht habe (obwohl ich menschenfreundlich unterwegs bin)! SIE ist eine waschechte Wienerin. Wir freuen uns immer, wenn wir uns beim Hofer sehen und ratschen eine Runde, wenn es die Zeit erlaubt. Heute fragt sie mich - wir sind schon seit längerem per Du - wie ich heiße. Ich sage "Christine". Sie sagt: "Ich bin die Susi. Komisch ... Christine ... das hätte ich jetzt nicht gedacht. Ich habe mir so etwas wie Heidi vorgestellt!". Ich lache und freue mich aufrichtig, denn die Vorstellung gefällt mir und ich habe alle möglichen Heidiverfilmungen (auch die Zeichentrickvariante) im Fernsehen geschaut. Und mit meiner jüngsten Tochter habe ich auch das Buch gelesen, das wir beide sehr gemocht haben.

Foto: Rosa Margarethe Fürpaß-Netocny


Ich habe es wieder getan! Und zwar mit allergrösster Lust! Nämlich sämtliche Plastikkarten (ausser Vorteilscard für die Bahn, Bankomatkarte und E-Card) zerschnitten. Schon vor Jahren gingen sie mir gewaltig auf den Nerv, bis zu dem Augenblick, wo ich mich wieder überreden ließ. Der Auslöser jetzt - oh jö! - ist die Einheitskarte. Nein, ich mag dieses Auskundschaften meiner Einkaufsgewohnheiten unter dem Deckmantel der Ersparnis nicht mehr. Ich fühle Freiheit und bekomme an der Kasse nur mehr den Bon in der Länge meines getätigten Einkaufs und nicht mehr diese unsägliche Wandtapete. Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass die Menschen hinter den Kassen dankbar für die Reduzierung sind.


Ich habe keine Wetterpräferenzen. Ich mag den Regen. Auch wenn er manchmal - besonders dann, wenn er länger anhält - auf das Gemüt schlägt. Das ist dann eine gute Zeit, dem Innen Zuwendung zu schenken.


Zugfahrt für mich: Einkehr mit Aussicht


Letztens in der U-Bahn ... 

Schon beim Warten auf den Zug fiel sie mir auf. Die Frau in schwarzer, moderner Kleidung, mit den schwarzen, mittellangen Haaren. Sie stand knapp an der Bahnsteigkante und war in ein Buch vertieft. Ich konnte weder Autor noch Titel lesen, jedoch hatte es einen hübschen Einband. 

Die U-Bahn kam, wir stiegen ein und kamen nebeneinander zu sitzen. Sie, unverändert in ihr Buch vertieft, ich, wie es meine Gewohnheit ist, rundum blickend, die Menschengesichter betrachtend. Viel sehe ich ja nicht davon, denn mindestens 6 sind in näherer Umgebung in ihr Handy vertieft. Plötzlich lacht die Frau neben mir so herzlich und laut auf, dass ich beinahe erschrecke und ob ihres Ausbruches auch schmunzeln muss. Das Buch mit dem hübschen Einband hat meiner Nachbarin Freude bereitet und sie zum Lachen gebracht. Damit hat sie es nicht umsonst gekauft. Mir ist dies jedoch schon hin und wieder passiert, denn - nun ist es Zeit für ein Geständnis - ich liebe schöne Buchcover. Lasse mich leicht verführen, wenn mich ein Buch optisch anspricht. Denke mir, so schlecht kann es für mich gar nicht sein, wenn es so hübsch aussieht. Doch, kann es! 

Das Buch auf dem Foto oben hat einen schönen Einband UND ist eines meiner Lieblingsbücher!


Ist „smart“ klug oder macht es vielleicht sogar eher blöd?

Ich war und bin ein Technik-Freak. Ich liebe meine Maschinen, einschließlich dem Gerät, vor dem ich nun sitze und diesen Text tippe. Mein Lieblingsspielzeug als Kind war Lego. Mein Vater hat mir einen Antriebsmotor gebaut. Damit konnte ich mittels Gummiringerl zum Beispiel meine gebauten Windräder motorbetrieben zum Rotieren bringen. Dass sie damit keine Windräder mehr waren, war mir damals einerlei - sie haben sich rasend schnell gedreht! Auch habe ich mit Begeisterung „Raumschiff Enterprise“ geschaut. Das Futuristische in Bezug auf die Technik hat mich fasziniert. Ich sage nur: „Beame mich hoch, Scotty!“ Auch habe ich mit Vorliebe Schulaufsätze zum Thema „Wie stellst Du Dir die Zukunft vor?“ geschrieben.. Das ist 50 Jahre her. Inzwischen ist die Technik mit Riesenschritten nach vorwärts gegangen und ein Stückerl „Raumschiff Enterprise“ ist schon wahr geworden. Doch nun wird mir angst und bang, denn ich könnte mir inzwischen gut vorstellen, dass unsere Gehirne durch die abgenommene Arbeit zusehends vertrocknen, wir manches verlernen und dadurch in Abhängigkeiten geraten. Wir letztendlich dann doch alle glauben, dass der Strom aus der Steckdose kommt und immer verfügbar ist. Die Grenze muss wohl jeder für sich ziehen. Für mich steht auf jeden Fall fest, ich will keinen Kühlschrank der mir sagt, was darin fehlt. Und Hochbeamen brauch’ ich auch nicht mehr. Mir reicht der Lift in unserem Haus - ja, ich bin auch verführbar! 


Donnerstag, 14. Februar

Lange wunderte ich mich, wenn der Valendienstag auf einen anderen Wochentag fiel.


Heute kostet Kleidung nicht mehr viel. Mit anderen Gegenständen ist es ebenso. Gewand und Geräte sind so günstig zu erhalten, dass eine Reparatur - vorausgesetzt man kann sie nicht selbst ausführen - oftmals teurer käme, als das gute Stück beim Einkauf gekostet hat. Also wirft man weg und kauft Neues.

Durch das leistbare Vorhandensein, sogar im Übermaß, empfindet kaum jemand mehr die Besonderheit des einzelnen Stückes. Es entsteht das Gefühl des Immerverfügbarseins. Man achtet auf sein Hab & Gut nicht mehr, da es eh ersetzbar ist.

Ich schließe mich da gar nicht aus. 

Doch je älter ich werde, umso bewusster wird mir die Kostbarkeit jedes einzelnen Gegenstandes - und sei er auch noch so billig gewesen. Und ich bestaune die Waschmaschine, die Nähmaschine, das Telefon, das elektrische Bügeleisen (inzwischen sogar mit Dampf), den Fernseher, den E-Herd, den Kühlschrank, den warmen Heizkörper, für den man nichts tun muss, als ihn aufzudrehen - alles Dinge, die vor nicht allzu langer Zeit keine Selbstverständlichkeit waren und ich bin aufrichtig dankbar. Ich muss nicht mehr alles haben und was ich habe will ich hüten.